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Rubrik: Freak Aktuell, Newsletter Versand, Lebens und Arbeitswelten
11. November 2010

Ist wirklich eine Lösung für den autistischen Buben in Sicht?

von Winfried Hanau

Freak-Radio hat davon berichtet. Eine Familie wird delogiert, weil sie einen behinderten Sohn hat. Weil er zu laut ist. Der Fonds Soziales Wien bemüht sich um eine Lösung - und lässt verbreiten, dass alles ideal ist. Wirklich?

ein Mädchen und zwei Frauen diskutieren auf einem Podium mit einem Mann mit Mikrophon

Schwester, Renée Kurz und Gerda Ressl bei einer Diskussion mit Freak-Redakteur Gerhard Wagner im ORF-KulturCafe

Der Fonds Soziales Wien (FSW) war am Mittwoch, den 10. November 2010, bei Familie Salman. Dabei waren auch Vertrauensleute der Familie. Erstmals durfte die neue Wohnung auch besichtigt werden. Sie ist groß, geräumig, an sich ideal.
Aber: Sie liegt direkt an einer verkehrsreichen Straße. Der Straßenlärm ist für Menschen mit Autismus ein gehöriger Stressfaktor. Das hätte man vermeiden müssen, sind sich Autismus-Experten einig. Doch der FSW hat sich im Vorfeld einer Zusammenarbeit mit der Familie und mehreren Expertinnen für Autismus verschlossen, kritisiert Ruth Renée Kurz vom Dachverband Österreichische Autistenhilfe.
Vor allem stellt die verkehrsreiche Straße ein Gefahrenpotenzial dar und ist nicht so ungefährlich wie eine verkehrsberuhigte Gegend im 22. Bezirk.

Die Wohnung liegt auch weit weg von Hirschstetten, weit weg von der Schule der Geschwister. Vor allem eine der Schwestern, die jetzt in der vierten Klasse ist, möchte unbedingt ihre Volksschule abschließen und nicht ein  halbes Jahr vor Schulende noch einmal wechseln. Trotzdem ist die Familie erleichtert.

Eine optimale Lösung am Mittwoch ...

Die Familie ist froh, dass es diese Wohnung gibt und wäre auch bereit, dorthin zu ziehen. Erst einmal muss allerdings die sanierungsbedürftige Wohnung renoviert werden, solange dürfte die Familie in der alten Wohnung bleiben, die Delogierung wäre damit aufgeschoben, bis die andere Wohnung fertig ist.

Die Stimmung ist gut, alle sind bemüht, für die Familie eine passende Lösung zu finden. Auch werden selbstverständlich Bemühungen der Familie unterstützt, wenn sie eine Wohnung in der alten Umgebung finden sollte. Es wird sogar von allen Seiten vereinbart, dass der Fonds Soziales Wien auch eine andere Wohnung unterstützen wird, denn es stehen dank der tatkräftigen Unterstützung vieler engagierter Personen, Vereine und Journalisten auch andere Objekte in Aussicht. Der Fonds Soziales Wien begrüßt am Mittwoch die Initiative und die Bemühungen der Familie und kündigt an, sie zu unterstützen, sollte ein geeigneterer Standort gefunden werden.

... und alles ganz anders am Donnerstag

Tags darauf, plötzlich, sieht alles jedoch ganz anders aus. Was der Fonds jetzt zusagt, ist:

»Die der Familie Salman zur Verfügung gestellte Wohnung wird seitens "Wieder Wohnen GmbH" als Tochterunternehmen des FSW angemietet.
"Wieder Wohnen" wird mit der Familie Salman in der Folge einen Nutzungsvertrag abschließen. Der Familie Salman bleibt es in diesem Zusammenhang auf jeden Fall unbenommen, jederzeit von der Nutzung zurückzutreten.«

"Das ist ja sowieso immer möglich", wundert sich Gerda Ressl. "Warum braucht es dafür eine schriftliche Bestätigung? Ausgemacht war etwas anderes:
Es wurde besprochen, sollte ein besseres Objekt gefunden werden (sogar auch nach dem Bezug der FSW-Wohnung), würde der FSW auch dieses Projekt in gleichem Umfang unterstützen. Davon ist im aktuellen Schreiben keine Rede mehr!"

Im schlimmsten Fall bedeutet das: Sollte die Familie ein anderes Projekt finden, steht sie dann womöglich ohne die zugesagte Unterstützung des FSW da.

Gerda Ressl vom Verein Behindertenombudsmann ist entgeistert: "Das ist völlig unverständlich. Wie kann man vor mehreren Zeugen an einem Tag etwas zusagen, und am nächsten Tag ist von dieser Abmachung dann keine Rede mehr? Und die Familie steht am Schluss wieder alleine da oder wohnt in einem für den autistischen Sohn nicht wirklich geeigneten Objekt?"


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