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Rubrik: Lesen statt Hören
30. Mai 2004

Freizeit - freie Zeit

von Peter Singer


Ausgesteuert-Sein: Darunter versteht man den Status, wo jemand durch unglückliche Umstände ebenfalls nicht mehr im aktiven Erwerbsleben steht, und für den der Begriff »Freizeit« nunmehr genauso jede Bedeutung verloren hat.
Oder anders gesagt: Hinter alledem steht dieses Nicht-Mehr -Gebraucht-Werden als Schreckensmoment! - Ausgebootet-Sein, obwohl man eigentlich noch etwas leisten könnte, eigentlich noch etwas leisten wollte, es aber plötzlich nicht mehr darf!


Und dabei seien hier vor allem alle jene bedauert, die es nicht verstehen, dem Ruhestand letztlich doch noch etwas Schönes abzugewinnen:
Leute also, welche das Pensionistendasein nurmehr als Phase der Depression, des Ausgeschlossen-Seins, des Abstiegs empfinden!

Musikbrücke

So sehr das gewisse »Abgeschoben-Sein aufs Abstellgleis« sicherlich für jeden bitter ist, so sehr sei an der Stelle aber einmal über alle jene gesprochen, bei denen das Thema »Be-ruf« gar nicht erst aktuell geworden ist:
Über Menschen nämlich, die so schwer behindert sind, dass für sie kein Platz am Arbeitsmarkt gefunden werden konnte!
Jene Personen also, welche vielleicht gerade noch in einer Einrichtung für Beschäftigungstherapie Aufnahme finden konnten, oder aber, die bis heute gar nur ihren Alltag betätigungslos zu Hause verbringen.
Wie schwer ein solches Schicksal sein kann, das will ich kurz an meinen eigenen Erfahrungen nach der nächsten Musik erläutern.

Musikbrücke

Ich absolvierte ganz normal die Pflichtschule im Rahmen einer Sonderschule für körperbehinderte Kinder. Das war jener Zweig besagter Bildungseinreichtung, welcher damals Kindern mit einer rein physischen Behinderung einen vollkommen regulären Volks- und Hauptschul-Abschluss vermittelte.
Solange ich diese Schule besuchte, fühlte ich mich all meinen Alterskolleginnen und -kollegen gegenüber ebenbürtig:
D.h. wir

  • schimpften gemeinsam über die Schule,

  • machten uns gemeinsam lustig über unsere Lehrer,

  • beklagten uns gemeinsam über zu viele Hausaufgaben,

  • »kiefelten« gemeinsam an manch schwierigem Lernstoff,

  • zitterten gemeinsam vor den nächsten Schularbeiten und Prüfungen,

  • bedauerten gemeinsam das jeweils immer zu rasch gekommene Ende der Ferien, usw.


Dass meine Schule in einem anderen Stadtteil lag, und ich mit einem speziellen Bus dorthin gebracht werden mußte, das tat der ganzen Sache keinen Abbruch.
Denn was den Schulstress und die Lerninhalte anbelangte, so gab es für mich keinen Grund, mich gegenüber meine übrigen Kameradinnen und Kameraden als anders zu empfinden!

Musikbrücke

Mit dem Ende der Schulzeit war es jedoch mit dieser Gleichheit vorbei.Denn alle meine ehemaligen Klassenkolleginnen und -kollegen gingen in den Beruf. Für sie gab es weiterhin Herausforderungen - so wie zu Schulzeiten: Sie


  • hatten sich wiederum einem Reglement anzupassen,

  • mussten sich abermals nach den Anordnungen anderer richten,

  • hatten pünktlich an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen,

  • mussten den ganzen Arbeitstag lang Leistung erbringen,

  • konnten nicht einfach nur das tun, was sie gerade freute, sondern hatten den Verpflichtungen nachzukommen, die das neue Tagwerk für sie mit sich brachte.

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